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Platz da!

Flächenkonkurrenzen im Verkehr in Städten und Gemeinden

Immer mehr Menschen wohnen in Städten. Auf der anderen Seite gibt es viele Pendler, die sich die städtischen Mieten nicht leisten können oder wollen. Ungeachtet Corona wollen oder müssen viele regelmäßig in die Stadt – oft mit dem Auto. Der Platz wird knapp, die Konkurrenz um die Verkehrsflächen wird größer. Anwohner und Geschäftsinhaber verteidigen vehement den Parkplatz vor der eigenen Haustür, während Radfahrer und Fußgänger eine radikale Umverteilung des städtischen Verkehrsraums einfordern.

Jüngstes Beispiel solcher Umverteilungen stellen die Pop-up-Radwege dar, die in einigen Städten – als temporärer Corona-Schutz deklariert – quasi über Nacht entstanden sind und nun dauerhaft bleiben sollen. Es herrscht breiter Konsens darüber, dass ein Mobilitätswandel unumgänglich ist. Voraussetzung dafür ist, dass die Verkehrsinfrastruktur angepasst und flexible Mobilitätsformen ermöglicht werden. Strittig ist hingegen, mit welchen Maßnahmen und wie schnell dieser Prozess umgesetzt werden kann und welche Rolle das private Auto in einem nachhaltigen innerörtlichen Verkehrssystem einnehmen soll. Die Menge der Verkehrsleistung, die durch das Auto erbracht wird, ist mit den derzeitigen Kapazitäten im ÖPNV nicht zu ersetzen. Soll die Autonutzung eingeschränkt werden, gilt es – sowohl im Umland als auch im Stadtgebiet selbst – attraktive ÖPNV-Angebote inklusive P+R-Anlagen und durchgängige Radverkehrsnetze zu entwickeln. Ein städtisches Gesamtkonzept für Mobilität muss neben dem Verkehr auch die Siedlungsplanung einbeziehen.

Für einen Mobilitätswandel brauchen wir neben dem politischen Willen einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung. Dieser lässt sich aber nicht über Nacht-und-Nebel-Aktionen herstellen, sondern über fair geführte Debatten, wie eine Stadt aussehen muss, in der Klimaschutz, Lebensqualität, Gesundheit und Mobilität vereint sind. Die Kunst besteht darin, vor Ort Kompromisse für nachhaltige Lösungen zu finden, die möglichst von allen Verkehrsteilnehmern akzeptiert werden.