Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Stehen den Organisationen vor, die die Kfz-Schlichtungen in Schleswig-Holstein seit 50 Jahren organisieren: Gerhard Hillebrand, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Hol-stein e.V. und Verkehrspräsident im ADAC Deutschland (links) sowie Tim Schneider, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des Verbandes des Kfz-Gewerbes in Schleswig-Holstein e.V. (C) ADAC Schleswig-Holstein e.V.

03.09.2021 Rainer Pregla

„Vertragen statt klagen“: ADAC und Kfz-Verband Schleswig-Holstein feiern:
Fünf Jahrzehnte erfolgreiche Streitschlichtung

Bis zu 600 Streitfälle zwischen Autobesitzern und Werkstatt oder Händlern landeten in Schleswig-Holstein in der Vergangenheit jährlich bei der Kfz-Schiedsstelle. Diese - vom ADAC Schleswig-Holstein e.V. und dem Verband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein e.V. gemeinsam betriebene Institution, feierte am Donnerstag (2.9.2021) in der Business Lounge der Wunderino Arena Kiel ihr 50-jähriges Bestehen.

Damit dürften die Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes zu den ältesten verfassten Schiedsstellen eines Wirtschaftsbereichs in Deutschland zählen.
Kfz-Schiedsstellen klären außergerichtliche Streitigkeiten zwischen Autokunden und Kfz-Meisterbetrieben und haben gemäß dem Motto „Vertragen statt klagen“ eine hohe Befriedungsfunktion.
„Da kann auch das seit 2016 gültige Verbraucherschutzstreitbeteiligungsgesetz nicht mithalten“, sagte Gerhard Hillebrand, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein e.V. und Verkehrspräsident im ADAC in seiner Begrüßungsrede. Denn bei dem von der Politik erst spät beschlossenen Verfahren könnten Unternehmen selbst entscheiden, ob sie überhaupt am Streitbeilegungsverfahren teilnehmen wollen. Außerdem müsse das Unternehmen - anders als in der Kfz-Schiedsstelle - mit dem Erreichen einer Schlichtung den Schlichterspruch nicht unbedingt anerkennen. „Das sind aus unserer Sicht für den Verbraucher zu viele Unwägbarkeiten“, so Hillebrand weiter.
Das System der Kfz-Schiedsstellen von ADAC und Kfz-Verband sei dagegen bestens etabliert, betonte Hillebrand.

Werkstätten, die Mitglied der Innung sind, nehmen an diesem Verfahren teil.
Komme es zu einem Schlichterspruch, sei dieser für die Werkstatt bindend.
„Deshalb sind unsere Schlichtungen nachweislich so erfolgreich“, so der Vorsitzende.
Das Verfahren verfüge über einen hohen Bekanntheitsgrad und eine sehr verbraucherfreundliche Organisationsstruktur.
Hillebrand: „Es bietet bis heute ein wirklich gut funktionierendes und für die Kunden kostenloses Schlichtungsverfahren. Durch den Einsatz der Schiedsstellen-Kommissionen können die Verbraucher sicher sein, dass sie mit ihrem Anliegen auf fachlich kompetente und praxiserfahrene Experten treffen.“
Gerhard Hillebrand betonte, wie wichtig das Engagement der Schiedsstellen seit nunmehr 50 Jahren für den Verbraucherschutz sei. „Genau deshalb war und ist die Institution der Kfz-Schiedsstellen in Deutschland wegweisend und auch in Zukunft unverzichtbar“, so Hillebrand, der den vielen Helferinnen und Helfern ausdrücklich dankte.

Tim Schneider, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des Verbandes des Kfz-Gewerbes in Schleswig-Holstein e.V., betonte, dass sich durch die hohe Anzahl der informellen Vorschlichtung die tatsächliche Leistung der Schlichtverfahren gar nicht realistisch in den Fallzahlen widerspiegele.
Seit fünf Jahren werden in der Statistik zudem nur die Verfahren der Schiedsstelle auf Landesebene gezählt, so dass die erfassten Fälle seit 2017 mit 345 oder 98 im Jahr 2020 nicht die tatsächliche Schlichteraktivitäten widerspiegelten.

Der Geschäftsführer des Verbands, Jan-Nikolas Sontag gab einen Einblick in die Arbeit der Schiedsstellenarbeit und interviewte dazu Mitglieder der Schiedskommission. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Fälle, bei denen Verbraucher unsachgemäße Arbeit, nicht nachvollziehbare oder vermeintlich zu hohe Rechnungen und ähnliches monierten, durch die Schlichter auf Augenhöhe klären ließen. Es habe sich gezeigt, dass durch diese Verfahren das in den meisten Fällen das Vertrauensverhältnis der Beteiligten, das durch den Streit beschädigt wurde, wieder hergestellt wurde. „Dieses ist natürlich für eine weiter andauernde erfolgreiche Kundenbeziehung enorm wichtig“, so das Fazit von Sontag.

„Was haben Mark Foster sowie Rumpelstilzchen mit Verjährungs- und Haftungsfristverkürzung im Gebrauchtwagenhandel zu tun?“ lautete das Thema des Vortrags von Professor Ansgar Staudinger. Launig und amüsant, aber in der Sache mit einer gehörigen Portion bissiger Ironie skizzierte der Vorsitzende des Deutschen Verkehrsgerichtstages die Versäumnisse der Bundesrepublik Deutschland bei der Umsetzung von EU-Richtlinien, die die Ministerialbürokratie mal kurzerhand über Jahre ausgesessen habe.